20.07.2021

IHK warnt vor drohenden Einschränkungen im Sommer

Die Inzidenzen steigen in Niedersachsen im bundesweiten Trend mit der Ausbreitung der Delta-Variante wieder deutlich an: die Region Hannover liegt mit einem Wert von 23 landesweit bereits mit an der Spitze. Die IHK Hannover warnt davor, dass durch den ausschließlich auf Inzidenzwerten basierendem Stufenplan der Landesverordnung in vielen Branchen kurzfristig wieder deutliche Einschränkungen drohen.
„In nahezu allen vom Lockdown lang und hart getroffenen Branchen sehen wir jetzt endlich einen Aufschwung, der im Sommer durch einen mittlerweile überholten Inzidenz-Automatismus wieder abgewürgt werden könnte“, sagt Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Hannover.
Bei einer Inzidenz von 35, die in Hannover leider wieder in Sichtweite liegt, dürfte die Innengastronomie laut Verordnung nur noch zur Hälfte ausgelastet werden und die Sperrzeitregelung ab 23 Uhr träte wieder in Kraft. Der Zutritt wäre nur noch mit einem Test erlaubt, sofern der Gast nicht genesen oder geimpft ist. Clubs und Diskotheken müssten wieder komplett schließen. Auch Hotels müssten dann ihre Kapazitäten auf 80 Prozent reduzieren und der Einzelhandel müsste den Kundeneinlass wieder in Abhängigkeit von seiner Verkaufsfläche steuern.
Bereits ab einer Inzidenz über 50 würden nach der aktuellen Corona-Verordnung des Landes weitere Einschränkungen folgen: Die Auslastung der Hotels würde auf nur noch 60 Prozent reduziert und private Feiern in der Gastronomie wären untersagt. Im Einzelhandel, der nicht der Grund-versorgung der Bevölkerung dient, wäre dann wieder eine Testpflicht für alle Läden mit mehr als 200 qm erforderlich.
Mit den drohenden Verschärfungen würde die Testpflicht in vielen Branchen wieder drastisch ausgeweitet. Testkapazitäten sind in Großstädten noch verhältnismäßig leicht verfügbar, auch wenn hier teilweise Zentren bereits wieder geschlossen wurden. In ländlichen Regionen aber sind Tests regelmäßig mit weiten Anfahrtswegen verbunden und zu eingeschränkten Öffnungszeiten möglich. In der Corona-Krise hat sich schon einmal gezeigt: Verpflichtende Tests sind eine hohe Hürde für Kundinnen und Kunden - sowohl im Einzelhandel als auch in der Gastronomie.
"Viele Betriebe sind mit Ach und Krach durch die Corona-Krise gekommen und kommen jetzt wieder auf die Beine. Für erneute Einschränkungen fehlen mittlerweile nicht nur die Kraft, sondern auch die finanziellen Reserven", so Bielfeldt.
"Die Inzidenz als einziger Gradmesser und Richtschnur für politisches Handeln und Verordnungen ist nicht mehr tragfähig. Mit dem von der Wirtschaft massiv unterstützten Impffortschritt treten wir jetzt in eine neue Phase ein, die mehr wirtschaftliche Freiheiten unter bewährten betrieblichen Hygienekonzepten erlauben muss. Auch die niedersächsische Corona-Verordnung sollte dafür schnellstmöglich auf eine geeignetere Basis mit Blick auch auf Impfquoten und Hospitalisierung umgestellt werden“, fordert IHK-Hauptgeschäftsführerin Bielfeldt.