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Mit kleinen Tickets um die Welt – Exportfinanzierung für den Mittelstand

Die Bedeutung der internationalen Absatzfinanzierung für den Exporterfolg hiesiger Unternehmen ist zwar nicht neu, hat aber im letzten Jahr an Bedeutung gewonnen. Unternehmen, die zusätzlich zum Produkt eine passgenaue Finanzierung anbieten können, haben heute einen klaren Wettbewerbsvorteil. Bewährtes Instrument für viele Exporteure ist hier der Bestellerkredit – bestenfalls gepaart mit einer staatlichen oder privaten Exportkreditversicherung. Verlässlich bauen konnten sie auf dieses Instrument in der Vergangenheit allerdings oft erst bei größeren Geschäften – ab fünf Millionen Euro vielleicht. Finanzierungsangebote für kleinere Auftrags-werte waren im internationalen Geschäftsverkehr Mangelware – konnten von vielen traditionellen Finanzierungsinstituten schlichtweg nicht kostendeckend abgebildet werden. Nicht gut, wenn man bedenkt, wie oft es gerade im Mittelstand um Summen zwischen 100.000 Euro und fünf Millionen Euro geht. Seit ein paar Jahren jedoch tut sich in der Szene etwas.
Die IHK Hannover spricht im Rahmen einer Artikelserie mit verschiedenen Anbietern aus der Szene.

Mit kleinen Tickets um die Welt

Die Digitalisierung hat neue Möglichkeiten für die Exportfinanzierung kleiner Transaktionen geschaffen. Traditionelle Spezialbanken der Außenhandelsfinanzierung haben ihr Portfolio entsprechend angepasst. Es gibt aber auch neue Anbieter auf dem Markt – FinTechs, wie etwa TraFinScout oder tr8fin. Ihre Schwerpunkte: unterschiedlich. Ihre Gemeinsamkeiten: Digitale Plattformen, die die Exportfinanzierung kleiner Transaktionen wirtschaftlich rentabel machen.
Nachgefragt haben wir bei dem Frankfurter Start-up TraFinScout.
 
„TraFinScout begleitet Exportfinanzierungen ab einem Auftragsvolumen von 250.000 Euro. Was machen Sie anders als Finanzierer, die Exportunternehmen eine Kreditabsage geben müssen, weil es sich einfach nicht rechnet?“
„TraFinScout hat den kompletten Prozess von Exportfinanzierungen, das heißt Bestellerkredite, Forfaitierungen und den Ankauf von Einzelforderungen mit Zahlungszielen von 90 – 360 Tagen, digitalisiert und standardisiert. Vom Antrag über das Angebot bis zur Auszahlung werden alle Daten, Dokumente und Informationen über unser Portal ausgetauscht. Das geht schnell und einfach und ist sicher. Und gerade Exporteure, die bislang noch wenig Erfahrung in der Exportfinanzierung haben, können von uns auf diese Weise optimal über den gesamten Prozess unterstützt werden. Das Beantragen einer Hermesdeckung gehört natürlich auch dazu. Die Exporteure kostet dies übrigens keinen Cent“, antwortet Eckhard Creutzburg, CEO von TraFinScout.
„Transformieren wir Ihr Modell in die Praxis. Sagen wir ein hiesiger Maschinenbauer will an einen brasilianischen Kunden liefern. Kaufpreis der Maschine: 675.000 Euro. Der Brasilianer bekommt bei den lokalen Banken keinen Kredit, der zu seiner Investition passt. Der hiesige Hersteller will das Geschäft – braucht also eine Finanzierung und zusätzlich aber auch eine Absicherung. Wie kann TraFinScout hier unterstützen?“
„Das ist einfach. Der Exporteur registriert sich bei TraFinScout und befüllt den digitalen Kreditantrag mit den wesentlichen Daten seines Exportgeschäfts. In der Regel wird er innerhalb von 24 Stunden ein auf sein Geschäft bezogenes tagesaktuelles Angebot für einen Bestellerkredit erhalten, dass er direkt an den Brasilianer weitergeben kann. Sagt dem das Angebot zu, stimmen wir mit dem Exporteur den Antrag für die Hermesdeckung ab. Wir empfehlen für den maximalen Schutz des Exporteurs immer, zunächst eine Lieferantenkreditdeckung zu beantragen. Die Bank tritt diesem Antrag später bei. Sobald alle für den Deckungsantrag erforderliche Unterlagen (i.W. letzte 3 Jahresabschlüsse des Bestellers) vorliegen, stoßen wir auch die Kreditentscheidung an. Diese dauert bei unserer Bank circa 14 Tage. Ist diese getroffen, kann der Kreditvertrag für den Brasilianer erstellt werden. Der Prozess ist bei einer Forfaitierung weitgehend identisch. Bei Fragen sind wir für Exporteure trotz aller Digitalisierung immer auch persönlich verfügbar.“
„TraFinScout selbst ist also überhaupt keine Bank, sondern kooperiert im Small-Ticket-Sektor mit einer Bank, die dann die Kredite ausreicht?“
„Korrekt. Unsere Partnerbank mag das Exportfinanzierungsgeschäft sehr, unterhält aber selbst keinen eigenen Vertrieb. Darin sind wir aber Spezialisten. Wir leihen uns quasi die Bilanz der Bank für das Small Ticket Geschäft aus und „ersetzen“ die Marktseite der Bank. Wir betreuen den Exporteur und Käufer – führen die gesamte marktbezogene Kommunikation. Die Bank selbst tut hingegen das, was eine Bank zwingend tun muss: KYC-Prüfung, Kreditentscheidung, Führung des Kreditkontos. Das ist eine Win-Win-Konstellation.“
„Viele Unternehmen implizieren mit einer Exportfinanzierung einen erheblichen Aufwand: Gespräche mit oft unterschiedlichen Banken. Verstehen. Vergleichen. Verhandeln und Überzeugen. Die ganzen Dokumente, die beizubringen sind. All das kostet Ressourcen, die gerade bei kleineren Summen oft in die Waagschale geworfen werden. Das Portal von TraFinScout kann den Aufwand jedoch deutlich schmälern. Schritt für Schritt entsteht aus den Informationen, Dokumenten und Verträgen eine digitale Akte, auf die der Exporteur jederzeit zugreifen kann.“
„Und auch bei größeren Auftragswerten, also ab fünf Millionen Euro kann das Portal hilfreich sein. Hier können Exporteure über die Suchfunktion des Portals vergleichende Angebote unterschiedlicher Finanzierungspartner einholen. Das spart oft Zeit und Mühe und erhöht die Erfolgschancen.“ ergänzt Eckhard Creutzburg. „Dennoch bleibt die Exportfinanzierung trotz aller Digitalisierung erklärungsbedürftig: Besteller-kredit, Lieferantenkredit mit Forfaitierung oder der Verkauf von Einzelforderungen, was passt wann am besten oder wie geht das mit der Hermesdeckung?  Nicht alle Unternehmen können inhouse die notwendigen Ressourcen und Erfahrungen vorhalten. Deshalb bietet TraFinScout immer auch die persönliche Beratung und Unterstützung an. Und die wird gerne angenommen – nicht nur von kleinen Unternehmen. Auch große Unternehmen, haben kleine Aufträge, für die sie Lösungen suchen. Unser kleinster Kunde macht einen Umsatz von 1,6 Mio. Euro und unser größter von über 25 Mrd. Euro.“

Mit ein paar Klicks zu Exportkreditgarantien

Auch die Euler Hermes Aktiengesellschaft hat auf den Bedarf der Finanzierung und Absicherung von kleinvolumigen internationalen Geschäften reagiert und bietet im Bundesgeschäft seit 2018 Exporteuren sowie Banken digitale Produktlösungen bei Standardgeschäften im Small Ticket Bereich an. Für Geschäfte mit einem Auftragswert bis fünf Millionen Euro und einer Kreditlaufzeit bis fünf Jahren, können Exporteure oder Banken über das Kundenportal myAGA mit wenigen Klicks einen Antrag auf eine digitale Lieferantenkreditdeckung (Hermesdeckungen click&cover Export) bzw. digitale Finanzkreditdeckung (Hermesdeckungen click&cover Bank) stellen.
"Mit Hermesdeckungen click&cover bieten wir hiesigen Exporteuren eine digitale Produktlinie für die schnelle und unkomplizierte Absicherung von standardisierten Geschäften an“, erklärt Igor Sufraga, Firmenkundenberater bei der Euler Hermes Aktiengesellschaft. „Es ist eine unkomplizierte Variante, um Auslandsgeschäfte schnell und sicher über den Bund absichern zu lassen. Der Exporteur erfährt just in time, ob sich sein Geschäft für eine Exportkreditgarantie eignet und welche Kosten damit verbunden sind. Staatliche Exportkreditgarantien (sogenannte Hermesdeckungen) sind seit Jahrzehnten ein etabliertes und bewährtes Instrument der deutschen Außenwirtschaftsförderung. Sie sichern deutsche Exporteure und exportfinanzierende Banken gegen wirtschaftliche und politische Risiken ab und erleichtern die Exportfinanzierung.“

Digitalisierung als Problemlöser in der Finanzierung

Man wird aufgrund der Digitalisierung in den kommenden Jahren sicherlich noch viele Umbrüche im Bank- und Finanzwesen erleben. Das Thema Plattform-Ökonomie scheint auf jeden Fall auch in der Exportfinanzierungswelt angekommen zu sein und hat die vielbeklagte Lücke für Small Tickets in der Exportfinanzierung geschlossen. Nun gilt es diese neuen Lösungsangebote auch bekannt zu machen, damit die Exportwirtschaft viele zusätzliche Aufträge realisieren kann.