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Carnet ATA

Zur vorübergehenden Aus- und Einfuhr von Waren wie z.B. Warenmustern, Berufsausrüstungen, Ausstellungs- und Messegüter kann für bestimmte Länder ein von der IHK erhältliches spezielles internationales Zolldokument (Carnet A.T.A bzw. Carnet CPD) verwendet werden, welches die Abwicklung erleichtern und beschleunigen soll. Alle Informationen zu diesem "IHK-Reisepass" finden Sie hier.

1. Was ist ein Carnet A.T.A.?

Das Carnet ist ein internationales Zollpassierscheinheft, das gleichzeitig auch die vorübergehende Ausfuhr bzw. Einfuhr von Berufsausrüstung, Messegut und Warenmuster erleichtert. Die Zahlung oder Hinterlegung von Zöllen und sonstigen Abgaben in den Einfuhr- bzw. Durchfuhrländern entfällt. Durchschnittlich verlangen die Zollverwaltungen der verschiedensten Länder sonst zwischen 20% bis 40% des Warenwertes als Sicherheitsleistung vom Reisenden.
In mehr als 40 Staaten außerhalb der Europäischen Union können Waren unter Deckung eines Carnets A.T.A. verwendet werden. Auf dem Carnet-Deckblatt befindet sich eine komplette Auflistung der Anwenderstaaten. Die meisten dieser Staaten haben die drei "Basisanwendungen"
•    Messegut
•    Warenmuster
•    Berufsausrüstung
Daneben gestatten manche Staaten zusätzlich die autonome Verwendung eines Carnets zu anderen Zwecken.
Keinesfalls kann ein Carnet für Verbrauchsgüter, für ins Ausland gegen Entgelt vermietete Waren bzw. für Waren, die im Ausland Veränderungen erfahren (Veredelung, Reparatur,...) von den IHKs ausgegeben werden. Weiterhin ist die Ausgabe nur dann möglich, wenn es sich zollrechtlich um Gemeinschaftswaren handelt. Das sind entweder Waren, die in der Europäischen Union vollständig gewonnen oder hergestellt wurden bzw. die sich nach der Einfuhr aus einem Drittland im sog. zollrechtlich freien Verkehr befinden.
Ein Carnet ist maximal ein Jahr gültig. In Ausnahmefällen kann vor Ablauf der Gültigkeitsdauer ein Anschluss-Carnet erstellt werden. Dazu ist die frühzeitige Kontaktaufnahme mit der IHK notwendig.
Mit dem Carnet brauchen keine ausländischen Einfuhrabgaben (Einfuhrzoll, Einfuhrumsatzsteuer und sonstige Einfuhrgebühren) entrichtet werden. Das ist nur deshalb möglich, weil an die Stelle der sonst zu hinterlegenden Einfuhrabgaben ein "Bürgender Verband" tritt, der gegenüber der ausländischen Zollverwaltung haftet. In Deutschland übernimmt diese Funktion der Deutsche Industrie- und Handelskammertag bzw. stellvertretend die örtliche Industrie- und Handelskammer. Diese ist darum auch für die Ausgabe der Carnets verantwortlich. Zur Abdeckung des damit verbundenen Risikos wurde mit der Euler Hermes Deutschland SA ein Versicherungsvertrag abgeschlossen, der auch die Einschaltung und das Mitspracherecht von Hermes beim Carnet-Verfahren beinhaltet.
Wissenswertes über das Carnet A.T.A. finden Sie auf der Internet-Homepage der Internationalen Handelskammer und der Euler Hermes SA.

2. Wie beantrage ich ein Carnet A.T.A.?

Das Service-Center der IHK in Hannover sowie die Geschäftsstellen in Göttingen und Hildesheim stellen Carnets A.T.A. für IHK-zugehörige Unternehmen sowie sonstige natürliche und juristische Personen mit Firmensitz bzw. Wohnsitz im Bezirk der IHK Hannover aus. Die Carnet A.T.A.-Vordrucke sind bei uns oder bei den hier aufgelisteten Formularverlagen erhältlich. Der Vordruck sowie der Antrag werden im Unternehmen ausgefüllt und unterschrieben. Hinweise zu den Einträgen bieten unsere Ausfüllhilfen.
Die ausgefüllten und unterzeichneten Carnet-Unterlagen werden im IHK-Service-Center bzw. in den Geschäftsstellen vorgelegt, erhalten eine Carnet-Nummer, das Gültigkeitsdatum, IHK-Siegel und die Unterschrift des Sachbearbeiters und müssen daraufhin zusammen mit der Ware dem zuständigen Zollamt vorgeführt werden. Das Zollamt prüft die Identität der Ware (Nämlichkeitssicherung): Es unterzieht die Waren der Beschau, sichert die Nämlichkeit der Waren und vermerkt die Besichtigung im Carnet. Die Sicherung der Nämlichkeit ist grundlegend. So kann später festgestellt werden, dass bei der Wiedereinfuhr dieselben Waren wieder zurückkommen.
Weitere Hilfestellungen sowie Auskünfte, in welchem Rahmen der Warenwert des Carnets liegen sollte, erhalten Sie bei den Carnet A.T.A.-Sachbearbeiter/innen der IHK.
Hinweise zum Gebrauch
Das Carnet und die Ware müssen bei jeder Ein- und Ausfuhr sowie beim Transit abgefertigt werden. Lassen Sie sich keinesfalls von den Zollbeamten einfach durchwinken und überprüfen Sie stets die vom Zoll gemachten Eintragungen auf Vollständigkeit, damit es bei der Wiedereinfuhr nicht zu Problemen kommt.
Die Zollbehörde kann Fristen einsetzen, die kürzer als die Gültigkeit des Carnets sind. Diese eventuell verkürzte Wiederausfuhrfrist ist auf jeden Fall einzuhalten. Wird die Frist überschritten, kann die Zollverwaltung Einfuhrabgaben erheben. Ähnliches gilt für den Transitverkehr, doch in diesen Fällen sind noch kürzere Fristen möglich.
Carnets A.T.A. haben eine Gültigkeitsdauer von einem Jahr. Eine Verlängerung der Gültigkeitsdauer ist ausgeschlossen, unter Umständen kann jedoch ein Anschluss-Carnet ausgestellt werden, wenn die Ware über das Gültigkeitsdatum hinaus im Ausland verbleiben muss.
Rückgabe des Carnets
Carnets müssen unserer IHK zurückgegeben werden, sobald sie nicht mehr benötigt werden, spätestens aber bei Ablauf der eingetragenen Gültigkeitsdauer. Unsere IHK bewahrt das Carnet ab Ausstellungsdatum noch weitere dreieinhalb Kalenderjahre auf. Danach kann der Carnet-Inhaber das Zoll-Dokument auf schriftlichem Antrag hin wieder zurück erhalten. Ansonsten wird es vernichtet.

3.    Ausfüllhilfen

Ausfüllhilfen für Carnet A.T.A.
Für die einzelnen Seiten stehen Ausfüllhilfen als pdf-Dateien zur Verfügung. Die pdf-Dateien enthalten weitere Erklärungen, welche Felder wie auszufüllen sind. Die Vorder- und Rückseite der Carnet-Formularblätter zeigen im Hintergrund zur besseren Orientierung das eingescannte Original-Formular, das jedoch nicht mitgedruckt wird.
Zu be/drucken sind folgende Blätter des Carnets:
Die Vorderseiten der Carnet-Formularblätter:
grünes Deckblatt, gelbe / weiße / evtl. blaue Formularblätter
Die Rückseiten der Carnet-Formularblätter (Allgemeine Liste)
grünes Deckblatt, gelbe / weiße / evtl. blaue Formularblätter+ Antragsrückseite
Carnet A.T.A.-Antrag-Vorderseite
Achtung: Formular-Hintergrund wird mitgedruckt; der Ausdruck kann auf einem einfachen weißen DIN-A4-Blatt erfolgen. Für die Antrags-Rückseite ist der Druck des reinen Textes (ohne eingedruckten Formular-Hintergrund) ausreichend.

4. Kosten

Carnetantragsteller entstehen Kosten für den Vordruck und die Einlageblätter, die IHK-Bearbeitungsgebühr und ein spezielles Versicherungsentgelt. Das von der IHK an die Euler Hermes Deutschland AG abzuführende Versicherungsentgelt ist für die Rückversicherung des Zollbürgen. Es deckt weder eine Transportversicherung noch eventuell anfallende Abgaben beim Verbleib der Ware im Ausland. Die Höhe des Versicherungsentgeltes ist abhängig vom Gesamtwarenwert der im Carnet aufgelisteten Güter. Eine Übersicht mit den Entgeltsätzen finden Sie HIER.