IEMLICH übel Ein Bauernhof im Sommer auf dem zwei drei Tage lang die Milch nicht abgeholt wurde Genauer ge sagt Es war ein Winzer im Rheingau der auch paar Kühe hatte Die Erinnerung daran ist noch ziemlich frisch anders als die Milch die in jedem verfügbaren Gefäß im Freien stand Das war noch bevor in den späten 80er Jahren genau diese Situa tion zu einem Paradebeispiel wurde warum Genossenschaften sinnvoll sind und sich als Rechtsform so stabil gehalten haben Warum ist das so Dazu erstmal ein Schritt zurück Die klas sisch geprägte Ökonomie sucht immer den Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage geregelt auf Märkten über Preise Al le verhalten sich total rational und wenn man den Markt nur möglichst in Ruhe lässt bekommt man schöne optimale Ergeb nisse Milchbauer und Molkerei einigen sich auf einen vernünftigen Preis der Tankwagen kommt holt die Milch ab alle sind zufrieden Fertig Schön Aber manchmal geht Realität an ders Was wenn es nur eine Molkerei gibt und die plötzlich den Bösen spielt Wir wol len weniger für Deine Milch zahlen Was Du willst nicht Pech dann holen wir Deine Milch einfach nicht ab Um so etwas zu vermeiden kommen Genossenschaften ins Spiel Dazu muss man erstmal erklären was das ist eine Genos senschaft Mehrere oder sogar viele Menschen sagen wir Milch bauern tun sich zusammen und bilden ein Unternehmen Sagen wir eine Molkerei Den Milchbauern gehört also die Molkerei und von einem Unternehmen das einem gehört lässt man sich nicht unter Druck setzen Jetzt könnte man sagen Auch wenn man Aktien kauft ge hört einem ein kleines Stück Unternehmen Aber in einer Genos senschaft hat jedes Mitglied eine Stimme jeder das gleiche Ge wicht also Und nicht wie in einer AG ein Stimmgewicht je nach Größe des Aktienpakets Mit wenig Aktien hat man vielleicht nur ein Stimmchen Genossenschaften gibt es in den verschiedensten Bereichen Man erkennt sie an der Abkürzung im Namen eG eingetrage ne Genossenschaft Entstanden ist diese Unternehmensform in Deutschland im 19 Jahrhundert Und zwar immer mit dem Ziel ihre Mitglieder zu fördern so steht es im Genossenschaftsge setz und oft sie vor Abhängigkeiten oder allzu mächtigen Kon kurrenten oder Geschäftspartnern zu schützen Ein paar Beispie le Durch den Zusammenschluss in Volks oder Raiffeisenbanken vor mehr als 100 Jahren erhielten Menschen Kredite die sonst nie welche bekommen hätten Wenn sich Händler oder Handwer ker zusammentaten um über eine Genossenschaft gemeinsam Waren oder Material einzukaufen konnten sie wegen der größe ren Abnahmemenge günstigere Preise aushandeln die man ih nen sonst nie gewährt hätte Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Zwecke um sich in einer Genossenschaft zusammenzu schließen Grundsätzlich nennt man so etwas Kooperation also Zusam menarbeit Die gibt es aber nicht nur in Form von Genossen schaften Viele Elektro und Elektronikhändler gehören zu einer Langenhagener Einkaufsgemeinschaft die aber nicht als Genos senschaft organisiert ist Die Idee hinter einem Versicherungs verein auf Gegenseitigkeit ist dass die Versicherten Mitglieder und Träger des Vereins sind Große Versicherer auch in Hanno ver sind so entstanden Und beim Franchising arbeiten unabhän gige Unternehmer nach bestimmten Regeln zusammen Kooperation und Zusammenar beit sind also auch in einer Marktwirtschaft allgegenwärtig Genossenschaften Versicherungsverei ne Kooperationen In solchen Institutionen tun sich zwar Menschen zusammen um ge meinsam etwas zu erreichen Sie sind aber deshalb nicht unbe dingt eine Form eines höheren moralisch und ethisch besseren Wirtschaftens Sondern die Zusammenarbeit muss schlicht und ergreifend vorteilhaft sein Abläufe vereinfachen Abhängigkei ten verhindern Verhandlungspositionen verbessern Ob das ge lingt untersucht inzwischen ein eigener Zweig der Wirtschafts wissenschaften die Institutionenökonomik xx Gemeinsame Idee Jeder gegen jeden Es geht auch zusammen und viele können mehr als einer Fast parallel kamen im 19 Jahrhundert Hermann Schulze Delitzsch und Friedrich Raiffeisen auf die Idee einer Genossenschaft Kooperation und Zusammenarbeit gibt es aber auch noch in anderer Form Von Klaus Pohlmann pohlmann hannover ihk de wi ki pe di a 2 Die Urväter der Genossenschaftsidee Hermann Schulze Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen Z 55 PRAXISWISSEN

Vorschau Niedersächsische Wirtschaft Oktober 2019 Seite 55
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