
Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage Wintersaison 2010 in Gastronomie, Hotellerie und bei Campingplatzhaltern im Gebiet der Industrie- und Handelskammer Hannover liegen vor. Die Antworten von 75 Betrieben zur Entwicklung der Leistungskennzahlen und die Bewertung und Einschätzung von Indikatoren geben Aufschluss über die Situation der Branche. Hinweise: In Niedersachsen haben sich insgesamt 465 Unternehmen beteiligt. Aufgrund einer partiellen Neustrukturierung des Fragebogens in der Vorsaison sind in diesem Konjunkturbericht bei einzelnen Fragen noch keine umfassenden Zeitreihen oder Vergleiche mit dem Vorjahr möglich.
Die Ergebnisse signalisieren eine insgesamt positive Stimmungslage. Der wirtschaftliche Aufschwung in weiten Teilen der Wirtschaft, die günstige Entwicklung bei Beschäftigung und Arbeitslosigkeit machen sich auch direkt im Urlaubs- und Ausgabeverhalten der Gäste bemerkbar. Die Wirkungen des teils sehr heißen, teils verregneten Sommers könnten die Entwicklung teilweise etwas abgebremst haben. Die Ergebnisse in den touristischen Gebieten des IHK-Bezirks differieren weiterhin erheblich.
Die Zufriedenheit mit der eigenen Geschäftslage bei den Befragten hat sich im Vergleich zum Vorjahr schlagartig verbessert: So beurteilen inzwischen 43,6 Prozent die Lage im Befragungszeitraum als gut (Vorjahr: 19,5 %) - im Beherbergungsgewerbe mit 59,6 Prozent der Unternehmen allerdings auf einem deutlich höheren Niveau als in der Gastronomie (34,9 %). Bezeichnete in der Hotellerie im Vorjahr nur jedes fünfte Unternehmen seine Geschäftslage als „gut“, treffen inzwischen sechs von zehn Unternehmen diese positive Aussage. Als zumindest befriedigend bezeichnen 85,7 Prozent der Gasthöfe, als befriedigend knapp vier von fünf Campingplatzhaltern ihre Situation. Einen klaren Anstieg der Zufriedenheit hat es insbesondere in den Reisegebieten Harz (gut: 48,4 %, Vorjahr: 20,0 %) und Weserbergland - Südniedersachsen (gut: 44,9 Prozent, Vorjahr: 16,4 %) gegeben. Auch in den Gebieten Hannover-Hildesheim und Mittelweser sind inzwischen ein Drittel bzw. ein Viertel der Unternehmen sehr zufrieden.
Bereits jedes zweite Unternehmen (52,6 %) verbuchte steigende Umsätze mit allen Gästegruppen, nur noch etwa jeder vierte Teilnehmer (23,2 %) sinkende Einnahmen. Im Beherbergungssektor stiegen die Umsätze bei sechs von zehn Unternehmen (59,8 %). Auch in der Gastronomie konnte immerhin jeder zweite Betrieb auf gestiegene Einnahmen verweisen. In den Gebieten Hannover-Hildesheim (58,0 %), Weserbergland – Südniedersachsen (56,1 %) und Harz (44 %) können rund die Hälfte der Unternehmen höhere Umsätze als im Vorjahr vermelden. Im Gebiet Weserbergland – Südniedersachsen verzeichnet allerdings auch jedes dritte Unternehmen Umsatzrückgänge. Die Mittelweser hängt in der Umsatzentwicklung deutlich hinter den anderen regionalen Destinationen in der IHK-Region zurück: Hier verweisen mehr Unternehmen auf rückläufige Umsätze (10,5 %) denn auf steigende Einnahmen (5,3 %).
Die durchschnittliche Zimmerauslastung hat sich bei sechs von zehn Unternehmen positiv entwickelt (Vorjahr: 19,4 %). Während die durchschnittliche Belegungsquote in den Zimmern der antwortenden Unternehmen gegenüber dem Vorjahresergebnis leicht von 46,9 Prozent auf 43,9 Prozent gesunken ist (positiv: In der Hotellerie ergab sich ein Plus von 42,6 % auf 46,2 %), ist die durchschnittliche Belegungsquote auf den Campingplätzen im Vorjahresvergleich deutlich von 65 Prozent auf 80 Prozent empor geschnellt. Die durchschnittliche Zimmerauslastung ist bei den teilnehmenden Betrieben in den Gebieten Mittelweser (von 57,0 % auf 64 %) und Weserbergland-Südniedersachsen (von 44,6 % auf 50,1 %) gestiegen; in den Gebieten und Hannover-Hildesheim (von 48,2 % auf 37,6 %) und Harz (von 44,3 % auf 32,3 %) war sie hingegen rückläufig.
Die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung in der Wintersaison 2010/2011 sind deutlich positiver als vor Jahresfrist: Der Anteil der Unternehmen, die eine positivere Entwicklung der Geschäftslage erwarten, hat sich auf 32,6 Prozent verdoppelt. Mit einem ungünstigeren Geschäftsverlauf rechnen andererseits nur noch 14,7 Prozent (Vorjahr: 40,4 %). Diese positive Erwartungshaltung zieht sich gleichermaßen durch alle Marktsegmente – in der Gastronomie allerdings in abgeschwächter Form. Der Klimaindex, zusammengesetzt aus der Bewertung der aktuellen Geschäftslage und den Erwartungen an die künftige Geschäftsentwicklung, kann einen Wert von maximal 200 erreichen. Er hat am Ende der Sommersaison einen deutlichen Sprung von 81,8 im Vorjahr auf 119,6 gemacht (Beherbergung: von 85,1 auf 134,2; Gastronomie: von 78,3 auf 109,2; Camping: von 92,3 auf 101,8).
Die Übernachtungs- und Verzehrpreise werden in der Gastronomie leicht anziehen. Bei der Entwicklung der Beschäftigung sind positive Signale nicht zu verkennen und die Investitionsneigung kann insgesamt als zunehmend bewertet werden. Der Anteil der Unternehmen, die beabsichtigen, Preisspielräume auszuschöpfen, hat sich auf 21,1 Prozent verdoppelt, während nur noch 7,8 Prozent der Betriebe Preisreduzierungen vornehmen wollen. Die Tendenz zur Preiserhöhung ist auf die Gastronomie zurückzuführen: Während hier der Anteil der Unternehmen, die in der Wintersaison die Preise anziehen wollen, von 13,2 Prozent auf 27,9 Prozent steigt, geht im Beherbergungssektor der Anteil der Unternehmen mit geplanten Preissteigerungen von 8,3 Prozent auf 7,9 Prozent leicht zurück.
Licht am Ende des Tunnels auch im gastgewerblichen Arbeitsmarkt: Zusätzliche Arbeitsplätze sind für die Wintersaison 2010/2011 bei 15,9 Prozent (im Vorjahr: 0,8 %) der befragten Betriebe geplant, während sich die Zahl der Unternehmen mit geplantem Personalabbau von 28,1 Prozent im Vorjahr auf 14,5 Prozent etwa halbiert. Auch die Investitionstätigkeit nimmt an Fahrt auf: 32,6 Prozent der Betriebe (im Vorjahr: 12,5 %) planen eine Ausweitung ihrer investiven Ausgaben, eine Reduzierung des Investitionsniveaus ist nur noch bei 12,1 Prozent der Betriebe (21,4 %) vorgesehen. Der Anteil der Betriebe, die keine Investitionen auf dem Plan haben, nimmt allerdings auch leicht von 22,2 Prozent auf 28,8 Prozent zu. Während in der Gastronomie (steigende Ausgaben: von 8,1 % auf 31,5 %) der Anteil der Unternehmen, die ihre Investitionsausgaben steigern wollen, leicht stärker ansteigt als im Beherbergungsgewerbe (steigende Ausgaben: von 12,5 % auf 32,6 %), liegt in der Gastronomie der Anteil derer, die keine Investitionen planen, mit 38,9 Prozent klar über dem im Beherbergungsgewerbe (18,0 %).
Unverändert mit deutlichem Vorsprung stehen Modernisierungsmaßnahmen mit einem Anteil von 89,0 Prozent als Investitionsmotiv im Vordergrund. Rationalisierungsaufwendungen folgen mit 22,5 Prozent (Vorjahr: 33,8 %) an zweiter Stelle. Aufwendungen für den Umweltschutz erhalten mit 14,5 Prozent leichten Auftrieb (Vorjahr: 13,4 %). Einen deutlichen Schub erhält der Ausbau der Kapazitäten: Im Vergleich zum Vorjahr plant mit 13,9 Prozent ein mehr als doppelt so großer Anteil an Unternehmen eine Erweiterung (6,0 %).
Bei den Sonderfragen standen die finanziellen Aufwendungen der Unternehmen für Aufgaben der Tourismusförderung, die Zufriedenheit über die Verwendung der Mittel und die Bereitschaft, sich stärker an einer Mitfinanzierung der öffentlichen touristischen Ausgaben zu beteiligen, im Fokus. Die Antworten auf die Frage nach der Beteiligung an der regionalen Tourismusförderung bzw. zu den Ausgaben durch wirtschaftliche Betätigung im Tourismus verdeutlichen, dass bereits heute ein großer Teil der gastgewerblichen Betriebe sich auf verschiedensten Wegen in die Finanzierung der Tourismusförderung einbringt bzw. durch wirtschaftliche Betätigung entsprechende Ausgaben tätigt: Bereits 78,5 Prozent der Unternehmen leisten Beiträge an örtliche Tourismusvereine und 64,5 Prozent sind aktiv in Sachen Sponsoring in Form von Geld- oder Sachleistungen. Sechs von zehn Unternehmen leisten Beiträge an regionale Tourismusorganisationen und nahezu die Hälfte zahlt in prädikatisierten Tourismusorten eine Fremdenverkehrsabgabe. Ein Drittel der Betriebe gibt zudem freiwillig Geld in die Kassen von Kultur- und Heimatvereinen. Für die wirtschaftliche Nutzung öffentlichen Raumes zahlt darüber hinaus jedes vierte Unternehmen Sondernutzungsgebühren.
Von den auf diese Frage antwortenden Unternehmen werden in der Summe etwa 160.000 Euro (Niedersachsen: knapp 1,1 Mio. Euro) in die öffentlichen Kassen bzw. die Kassen von Vereinen und Verbänden gespült. Im Minimum sind es 250 Euro (Niedersachsen: 120 Euro), im Maximum 60.000 Euro (Niedersachsen: 140.000 Euro). Im Mittel ist es – in der IHK-Region wie auch in Niedersachsen - pro Betrieb immerhin die stolze Summe von etwa 7.220 Euro. Hierbei liegen die Beträge der Beherbergungsunternehmen deutlich vor denen der Gastronomie unternehmen und der etwa gleichauf folgenden Campingplätze (in Niedersachsen ist die Reihenfolge von Camping und Gastronomie umgekehrt).
Mit der Verwendung der Mittel aus Fremdenverkehrs-/Tourismusabgabe zeigen sich nahezu zwei Drittel (64,3 %) der Antwortenden sehr zufrieden bzw. zufrieden.
Dem Ansinnen, bei knapper werdenden kommunalen Kassen sich (noch) stärker an einer Mitfinanzierung der öffentlichen touristischen Ausgaben zu beteiligen, erteilen die befragten Unternehmen eine eindeutige Absage: Rund sieben von zehn Betrieben sind hierzu nicht bereit. 24,6 Prozent wären nur bei Einbindung aller Wirtschaftszweige dazu bereit, 22,4 Prozent bei Zweckbindung der Mittel und 19,3 Prozent, wenn es ein Mitspracherecht gäbe.
Fragen zur Konjunkturumfrage Tourismus beantwortet: IHK, Handel und Dienstleistungen, Hans-Hermann Buhr, Tel. (0511) 3107-377, Fax (0511) 3107-435, buhr(at)hannover.ihk.de.
IHK Hannover, Schiffgraben 49, 30175 Hannover, Telefon (0511)31 07-0, Telefax (0511)31 07-333
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