Von Januar bis September 2011 lagen die monatsdurchschnittlichen Krankenstandwerte bei 4,2 Prozent (2010: 4,0 %). Dies teilte der BKK Bundesverband Mitte Dezember 2012 mit. Damit stiegen die Krankenstände kontinuierlich seit 2006 (3,4 %), als die geringsten Krankenstände seit 30 Jahren gemeldet wurden. Die Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2011 zeichnet sich besonders durch die kontinuierlich hohen Krankenstände der psychisch Erkrankten aus sowie die Atemwegserkrankungen im ersten Quartal.
Darüber hinaus hat der BKK Bundesverband den jährlich erscheinenden BKK Gesundheitsreport 2011 neu herausgegeben. In der rund 300-seitigen Studie mit dem Titel „Zukunft der Arbeit“ werden die Daten von 12,1 Mio. BKK Versicherten (20 % der Beschäftigten) aus dem Jahr 2010 erfasst und analysiert. Die BKK Analysen stellen damit ein gutes Abbild des Krankheitsgeschehens in der Arbeitswelt dar.
Wichtige Details zu den Fehlzeiten:
- Im gesamten Jahr 2010 fehlten die pflichtversicherten Arbeitnehmer krankheitsbedingt durchschnittlich an 14,8 Tagen. Das entspricht einem Krankenstand von 4,1 Prozent.
- Fast zwei Drittel der beschäftigten Pflichtmitglieder verzeichnen keinerlei (42 %) oder nur geringfügige Krankheitsausfälle.
- Die meisten Krankschreibungen (zwei Drittel aller Erkrankungen) dauern ein bis sieben Tage; dies sind aber nur 17,5 Prozent der krankheitsbedingten Fehltage.
- Nach wie vor verursachen nur 20 Prozent der erwerbstätigen Pflichtmitglieder rund 80 Prozent aller Ausfalltage.
- Männer weisen fast doppelt so viele Erkrankungstage (255 Tage je 100 Pflichtmitglieder) aufgrund von Verletzungen auf wie Frauen (144 Tage je 100 Pflichtmitglieder). Muskel- und Skeletterkrankungen liegen bei Männern mit 463 Tagen je 100 Pflichtmitglieder um ca. ein Drittel höher als bei Frauen (350 Tage je 100 Pflichtmitglieder). Dies ist zum einen den typischen Beschäftigungsfeldern von Männern geschuldet, die nach wie vor verbreitet in der industriellen Produktion und in körperlich beanspruchenden Berufen tätig sind. Zum anderen spiegeln sich hierin unterschiedliche Verhaltens- und Lebensmuster wider.
- Frauen dagegen zeigen mit großem Abstand bei den psychischen Störungen mehr Krankheitstage (245 Tage je 100 Pflichtmitglieder) als die Männer (153 Tage je 100 Pflichtmitglieder) auf.
- Branchenspezifische Arbeitsunfähigkeitsstrukturen sind häufig die Folge von tätigkeitsspezifischen Belastungen am Arbeitsplatz. Straßenreiniger und Abfallbeseitiger sowie Gleisbauer stellen mit durchschnittlich 26 Fehltagen pro Jahr die Berufe mit den meisten Arbeitsunfähigkeitstagen. Naturwissenschaftler, Hochschullehrer und Rechtsvertreter sind dagegen mit 4 Tagen am wenigsten krankgemeldet. Die Unterschiede zwischen den Berufsgruppen hängen mit unterschiedlichen Belastungsprofilen wie zum Beispiel körperlich schwerer Arbeit, Stress, Zeitdruck, Fremdbestimmung der Arbeitsabläufe zusammen.
- Die Qualifikation der Beschäftigten spielt ebenso eine wesentliche Rolle. Höher qualifizierte Beschäftigte haben in der Regel ein höheres Maß an Gestaltungs- und Entscheidungsspielräumen.
- Die Höhe des Krankenstandes insgesamt wird maßgeblich durch die Langzeitfälle mit über sechswöchiger Arbeitsunfähigkeit bestimmt. Sie machen zwar nur 4,2 Prozent aller Fälle aus, verursachten jedoch 45,5 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage.