
Mit den Kosten von Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel beschäftigt sich eine aktuelle Studie des Kölner EHI Retail Instituts. Diese weist auf Verursacher hin und gibt außerdem Tipps zur Prävention und zu Sicherheitsmaßnahmen.
Die Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel erreichen der Studie zufolge eine Größenordnung von 3,7 Mrd. Euro. Statistisch gesehen wird demnach jeder 200. Einkaufswagen nicht bezahlt bzw. stiehlt jeder Haushalt statistisch gesehen jährlich Waren für über 50 Euro in den Läden der Einzelhändler. Dadurch entgehen dem Staat jedes Jahr insgesamt 460 Mio. Euro Umsatzsteuer, davon allein ca. 280 Mio. Euro durch Kundendiebstahl.
Prozentual gesehen sind die Verluste gegenüber dem Vorjahr um 4,8 Prozent zurückgegangen. Gerechnet zu Verkaufspreisen (in Relation zum Bruttoumsatz) gehen dem Handel über alle Branchen im Durchschnitt 0,90 Prozent seines Umsatzes verloren. Die Verluste sind im Vergleich zum Vorjahr - bewertet zu Nettoeinkaufspreisen - mit 0,60 Prozent vom Nettoumsatz gegenüber 0,63 Prozent gesunken.
Nach Einschätzung der Untersuchungsteilnehmer verursachen im Durchschnitt aller Branchen Kunden 52 Prozent der Inventurdifferenzen, Mitarbeiter 22 Prozent, Lieferanten und Servicekräfte rund 9 Prozent sowie organisatorische Mängel (Erfassungs-, Buchungs- und Bewertungsfehler) rund 17 Prozent. In absoluten Zahlen ergeben sich daraus etwa 1,9 Mrd. Schaden durch Kundendiebstähle und 800 Mio. durch eigene Mitarbeiter. Im Verkaufsraum und an der Kasse entstehen somit mindestens zwei Drittel der Verluste (etwas mehr als die Hälfte im Verkaufsraum und knapp 18 % an der Kasse). Der Rest entfällt auf Lieferanten, Servicekräfte und organisatorische Mängel.
Zu den am häufigsten geklauten Artikeln gehören im Lebensmittelhandel nach wie vor kleine, teure Waren wie Rasierklingen, Spirituosen, Kosmetik und Tabakwaren. Im Bekleidungshandel werden modische Waren wie Jeans, Jacken, Accessoires, ausgesuchte Markenartikel sowie Dessous bevorzugt. Konsolenspiele, CDs, DVDs, Speicherkarten und Druckerpatronen gehören zu den Klaurennern im Elektronikhandel.
Durchschnittliche Inventurdifferenzen nach Branchen/Betriebsformen:
Mit jährlichen Investitionen von 1,2 Mrd. Euro in Präventiv- und Sicherungsmaßnahmen muss der Handel den Schutz seiner Waren nach wie vor teuer erkaufen. Im Durchschnitt aller Branchen werden rund 0,33 Prozent vom Umsatz für Diebstahl reduzierende Maßnahmen investiert. An Bedeutung gewinnen Personalschulungen, sichtbare Kameraüberwachungen und vor allem aufwändige Datenanalysen zur Erkennung von Schwachstellen und Ergreifen von wirksamen Sicherungsmaßnahmen. Knapp 20 Prozent der Unternehmen haben ihr Budget zur Reduzierung von Inventurdifferenzen im laufenden Jahr 2011 aufgestockt, während rund 5 Prozent ihr Budget reduziert haben. Die Gesamtaufwendungen des Einzelhandels für Inventurdifferenzen und deren Vermeidung betragen somit jährlich fast 5 Mrd. Euro.
In allen Bereichen der Einzelhandelskriminalität erwartet der Handel eine Zunahme. Ladendiebstähle in ihren unterschiedlichen Formen wie Gelegenheitsdiebstähle, Beschaffungskriminalität, Diebstahl auf Bestellung, Bandendiebstähle usw. sind mit Abstand das größte Problem für den Einzelhandel. Im Fokus steht vor allem der professionell „organisierte“ Ladendiebstahl im Sinne von Bandendiebstählen und Diebstählen auf Bestellung von professionell agierenden Tätergruppen, die bei jedem Zugriff wertmäßig hohe Schäden verursachen. Nach Einschätzung des EHI bewerten die meisten Handelsunternehmen die Zusammenarbeit mit der Polizei bei der Bekämpfung des Ladendiebstahls als gut. Allerdings bemängelt der Handel die anschließende Strafverfolgung als vollkommen unzureichend.
An der aktuellen Untersuchung des EHI zum Thema Inventurdifferenzen beteiligten sich 88 Unternehmen mit 14.855 Verkaufsstellen, die einen Gesamtumsatz von ca. 60,9 Mrd. Euro repräsentieren. Die durchschnittliche Verkaufsfläche der teilnehmenden Märkte beträgt 1320 m2. Die Untersuchung wurde unterstützt vom Handelsverband Deutschland (HDE), dem Bundesverband des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels im Bundesverband Wohnen und Büro e. V. sowie dem Bundesverband Deutscher Heimwerker-, Bau und Gartenfachmärkte e. V. (BHB).
Weitere Daten, Hintergründe und detaillierte Auswertungen zur Entwicklung der Inventurdifferenzen, zur Kriminalität im Handel und zur Prävention und Sicherheitsmaßnahmen sind als Studie des EHI (DIN A4-Format (Klebebindung), 67 Seiten, ISBN 978-3-87257-372-8) direkt im EHI-Online-Shop zum Preis von 495 Euro inkl. USt. (versandkostenfrei) zu beziehen. Mitglieder des EHI erhalten die Studie kostenfrei im Downloadbereich. Das PDF-Inhaltsverzeichnis finden Sie HIER.
Kontakt: EHI, Frank Horst, Leiter Inventurdifferenzen + Sicherheit, Tel. 0221/57993-53, E-Mail: horst@ehi.org; Claudia Husseck, Tel. 0221/57993-64; E-Mail: husseck(at)ehi.org.
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