Dienstag, 22. Mai 2012

    Umfassende Studie zu haushaltsnahen Dienstleistungen

    Die Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSJ) erörtert das volkswirtschaftliche Potenzial haushaltsnaher Dienstleistungen, insbesondere für Wiedereinsteigerinnen in den Job. Lediglich zwei Segmente scheinen den Erkenntnissen der Autoren zufolge zu funktionieren: der Schwarzmarkt mit Niedrigpreisen und das Hochpreissegment mit gut situierten Kunden. Es fehlten unter anderem geeignete Arbeitskräfte, die bereit wären, im legalen Markt zu arbeiten. Kostendeckende Preise seien bei regulärer Beschäftigung kaum durchsetzbar, es fehlten verlässliche Qualitätsstandards für Dienstleistungen und die Markttransparenz sei gering. Hohe Suchkosten (nach verlässlichen Anbietern), Bürokratieaufwand (als Arbeitgeber) und hoher Marketingaufwand der Dienstleister verteuerten den Markt. 

    Die Studie verdeutlicht die Potenziale einer verstärkten Inanspruchnahme von haushaltsnahen Dienstleistungen – sowohl aus dem Blickwinkel der individuellen Lebensplanung von Wiedereinsteigerinnen als auch aus der volkswirtschaftlichen Perspektive. Mit der Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen für Wiedereinsteigerinnen kann der Untersuchung zufolge das volkswirtschaftliche Potenzial der „stillen Reserve“ in einem erheblichen Umfang mobilisiert werden. 

    Die Studie stellt Bedingungen und Kriterien zur Etablierung eines funktionstüchtigen Modells der subjektbezogenen Förderung auf der Basis von Gutscheinen oder als steuerliche Förderung vor, welches auf der Basis der bestehenden Rahmenbedingungen der steuerlichen und sozialrechtlichen Förderung von haushaltsnahen Dienstleistungen für Wiedereinsteigerinnen ohne weitere gesetzliche Regelungen funktionieren könne. Die mikro- und makroökonomischen Berechnungen verdeutlichen einen großen volkswirtschaftlichen Nutzen auf fiskalischer Ebene durch die öffentliche Bezuschussung von haushaltsnahen Dienstleistungen.

    Inhaltliche Struktur der Studie:

    • Status Quo - Inanspruchnahme und Angebot haushaltsnaher Dienstleistungen in Deutschland
    • Vorschläge für ein Modell zum Ausbau der Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienstleistungen
      • Markttransparenz herstellen - Inanspruchnahme erleichtern
      • Verlässliche Angebote schaffen – Dienstleistende gewinnen sowie Qualitätsstandards entwickeln und umsetzen
      • Nachfrage steigern – Inanspruchnahme nachhaltig sichern
    • Vergleichsländer im Überblick
    • Gesamtsaldo von Ausgaben und Einnahmen - Datenanhang

    Einige Ergebnisse im Überblick:

    Nutzen haushaltsnaher Dienstleistungen auf individueller Ebene:

    • Erleichterung des (nachhaltigen) Wiedereinstiegs: Die Möglichkeit eines Wiedereinstiegs ohne Vernachlässigung der familiären und häuslichen Aufgaben wird effektiv unterstützt. Arbeitgebern, die Verlässlichkeit fordern, wird diese durch den Verweis auf die Inanspruchnahme externer Dienstleister glaubhaft vermittelt.
    • Aufstockung der Arbeitszeit: Die Entlastung im Haushalt ermöglicht in Teilzeit oder auf Minijob-Basis beschäftigten Frauen, ihre Arbeitszeit aufzustocken und auf diese Weise nicht nur ihr Einkommen, sondern auch ihre Karrierechancen zu verbessern.
    • Finanzielle Unabhängigkeit und bessere Absicherung im Alter: Ein eigenes Einkommen wirkt sich positiv auf das Haushaltseinkommen aus, steigert die finanzielle Unabhängigkeit der Frau und verbessert durch die Abführung von Renten- und Sozialabgaben die Absicherung im Alter.
    • Möglichkeit zur Umsetzung eigener Lebensentwürfe und Steigerung des Selbstwertgefühls: Berufliche Erfolge und der eigene Verdienst helfen, etablierte Rollenvorstellungen aufzubrechen und das Selbstwertgefühl zu fördern.
    • Gewinnung von „mehr Zeit“: Haushaltsnahe Dienstleister ermöglichen einen Zugewinn an Zeit für verschiedene Verwendungsarten.

    Volkswirtschaftlicher Nutzen haushaltsnaher Dienstleistungen:

    • Begegnung des Fachkräftemangels: Der berufliche Wiedereinstieg von qualifizierten Frauen bzw. die Möglichkeit zur Aufstockung der Arbeitszeit von bereits (wieder) arbeitenden Frauen wirkt dem Fachkräftemangel entgegen und trägt zur Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der Wirtschaft bei.
    • Steigerung der Kaufkraft und Mehreinnahmen durch Steuern: Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Frauen weisen eine stärkere Kaufkraft auf und erhöhen durch die abgeführten Sozialabgaben und Steuern die Einnahmen der öffentlichen Hand.
    • Einsparungen von Transferleistungen: Der Wiedereinstieg von Frauen, die sich vorher im Leistungsbezug befanden, führt zu Einsparungen von Transferleistungen. Dies gilt sowohl für Frauen, die durch Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienstleistungen bei ihrem Wiedereinstieg unterstützt werden, als auch für diejenigen, die im Bereich haushaltsnaher Dienstleistungen selbst einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen.

    Herausforderungen, die bislang eine breitere Inanspruchnahme von haushaltsnahen Dienstleistungen erschweren:

    • Herausforderungen auf Nachfrageseite:
      • Die Inanspruchnahme wird vor allem durch die vorhandenen finanziellen Ressourcen und weniger durch den Bedarf bestimmt.
      • Es gibt eine hohe Bereitschaft, haushaltsnahe Dienstleistungen nachzufragen, die im Rahmen nicht gemeldeter Beschäftigungsverhältnisse erbracht werden.
      • Das bestehende Steuersystem mindert die Anreize für eine Investition in haushaltsnahe Dienstleistungen zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit.
      • Haushaltsnahe Dienstleistungen haben ein Imageproblem.
      • Weitere Hemmnisse für die Inanspruchnahme: Bürokratische Hürden und zeitlicher Aufwand bei der Suche und Organisation von haushaltsnahen Dienstleistungen, fehlende Markttransparenz sowie fehlendes Vertrauen in Qualität und Verlässlichkeit der Anbieter.
      • Auch mentale Barrieren und Rollenerwartungen erschweren die Akzeptanz in der Breite.
      • Vor dem Wiedereinstieg/vor der erstmaligen Nutzung von haushaltsnahen Dienstleistungen: Tatsächliche Kosten der Dienstleistungen werden überschätzt, zeitliche Entlastung wird unterschätzt – grundsätzlich bestehender Bedarf wird nicht zur Nachfrage.

    • Herausforderungen bei der Gewährleistung eines qualitativ hochwertigen Angebotes:
      • Bestehende steuer- und sozialgesetzliche Regelungen sowie die in der Regel nur geringen Stundenlöhne verstärken die Anreize, haushaltsnahe Dienstleistungen in Form von nicht gemeldeten Beschäftigungsverhältnissen anzubieten.
      • Dienstleistungsunternehmen finden keine qualifizierten Mitarbeiter.
      • Die vorhandene Angebotsstruktur bietet wenige Möglichkeiten zur Professionalisierung des Sektors. Dienstleistungsunternehmen bieten diese Möglichkeit zwar, können sich aber kaum auf dem Markt für die Privathaushalte behaupten.
      • Es existieren keine einheitlichen und verbindlichen bundesweiten Qualitätsstandards im Berufsfeld der haushaltsnahen Dienstleistungen. Weder müssen die Dienstleistenden selbst über spezifische Qualifikationen verfügen noch gibt es spezielle Anforderungen an die Dienstleistungsunternehmen.
      • Das schlechte Image haushaltsnaher Dienstleistungen schmälert für potenzielle Arbeitskräfte die Attraktivität einer Beschäftigung in diesem Bereich und führt zu geringer Zahlungsbereitschaft der Kundinnen und Kunden.

    • Herausforderungen bei der Sicherstellung von Markttransparenz:
      • Die Angebotsstruktur ist von kleinen, nicht koordinierten Anbietern geprägt und führt auf diese Weise zu hohen Suchkosten bei Nutzerinnen und Nutzern.
      • Es fehlen in der Regel Strukturen, die eine Vermittlung haushaltsnaher Dienstleistungen durch niedrig schwelligen Zugang und lokale Verankerung gewährleisten könnten.

    Die Publikation kann nachstehend kostenlos herunter geladen werden. 

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    Letzte Änderung:  23.01.2012
    Dokumenten-Nr.: 011222833

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