
Hannover-Wolfsburg ist die bedeutendste Schaltzentrale der Automobilwirtschaft in Europa. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Netzwerkanalyse im Rahmen einer neuen Studie der NORD/LB unter dem Titel „Die Automobilwirtschaft in Niedersachsen“.
Die Automobilwirtschaft ist demnach der größte Industriezweig in Niedersachsen. Rund 115.000 Beschäftigte erwirtschaften mit 77 Mrd. Euro mehr als 43 Prozent aller Umsätze des Verarbeitenden Gewerbes im Land. Dabei wurde rund die Hälfte dieses Aufkommens im Ausland erzielt, Westeuropa und die USA stellen die wichtigsten Absatzmärkte. Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Branche daher durch den Einbruch der Exporte zunächst spürbar getroffen, inzwischen ist jedoch wieder eine deutlich steigende Nachfrage zu verzeichnen.
Mit Volkswagen ist in Niedersachsen einer der größten Automobilhersteller der Welt ansässig. Vor allem in der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg konzentrieren sich Produzenten, Zulieferer und Dienstleister der Branche. Die gut vernetzte Region präsentiert sich der NORD/LB-Analyse zufolge als das stärkste Steuerungszentrum der deutschen Automobilindustrie und verweist Stadtregionen wie Stuttgart, Frankfurt/Main und München auf die folgenden Plätze.
Auch im globalen Ranking tritt die Bedeutung der Metropolregion deutlich hervor. Nach Auswertung der Organisations- und Kapitalverflechtungen der 40 weltgrößten Unternehmen der Automobilindustrie belegt die Region mit den Standorten Hannover und Wolfsburg den dritten Platz, nur die Stadtregionen Tokio und Detroit weisen ein noch größeres Steuerungspotenzial auf.
Die entscheidenden Wachstumsimpulse stammen heute von den Märkten in Amerika, Asien, Russland und anderen osteuropäischen Staaten, während der deutsche und (west-)europäische Markt weitgehend stagniert. Der Studie zufolge verändern die aufstrebenden Schwellenländer das Wettbewerbsgefüge jedoch nicht nur durch die Nachholeffekte beim Individualverkehr, sondern teilweise auch durch den ambitionierten Aufbau eigener Produktionslinien. Der internationale Wettbewerb dürfte sich daher auch unter dem Eindruck drohender Überkapazitäten künftig weiter verschärfen.
Für die deutschen Produzenten und Zulieferer werden so der Export und die Koordination internationaler Produktionen immer wichtiger. Ihre derzeit starke Wettbewerbsposition vor allem im Premiumsegment lässt sich allerdings nur behaupten, wenn die Anstrengungen zum Erhalt der Innovationsfähigkeit nicht nachlassen. Schließlich sieht sich die Automobilindustrie heute dem größten Strukturwandel seit ihren Anfängen vor 125 Jahren gegenüber. Im Zentrum dieser Entwicklung steht die Abkehr vom Verbrennungsmotor.
Wie die Studie weiter aufzeigt, sind es vor allem der Klimawandel und die zunehmende Ressourcenknappheit, die den Strukturwandel in der Automobilindustrie beschleunigen. Die wichtigsten Innovations- und Zukunftsfelder der Branche werden daher im Bereich der CO2-Reduzierung und der Ressourceneffizienz liegen. Dazu zählen etwa Optimierungen der Antriebe, effizientere Werkstoffe sowie neue Sicherheits- und intelligente Verkehrssysteme mit einem ausgewogenen Mobilitätsmix.
Die Abkehr vom Verbrennungsmotor wird die Geschäftsmodelle in der Automobilproduktion langfristig auf den Prüfstand stellen. Elektromotoren sind weniger komplex und weisen daher ein geringeres Wertschöpfungspotenzial auf. Ob eine Erweiterung des Portfolios der Hersteller um Mobilitätsdienstleistungen eine ausreichende Option sein wird, muss sich noch erweisen. Entscheidend für die anstehenden Aufgaben in Niedersachsen wird die Verfügbarkeit sowie die Aus- und Weiterbildung qualifizierter Fachkräfte in den branchenrelevanten Zukunftsfeldern sein. Die laufenden Projekte zu Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen sowie Effizienzsteigerungen im Bereich der Verbrennungsmotoren, aber auch Dienstleistungen wie das Car-Sharing-Konzept „Quicar“ von Volkswagen in Hannover lassen die Zukunftspotenziale der niedersächsischen Automobilindustrie aufscheinen.
Mit der Ernennung der Metropolregion zum nationalen „Schaufenster Elektromobilität“ verfügt die Region nun über die Chance, den eigenen Wettbewerbsvorsprung in diesem zentralen Zukunftsfeld noch weiter auszubauen, betonte Windels. Hierbei sei nicht nur die ausgeprägte Vernetzung aller Partner innerhalb der Region, sondern auch die Funktion der Region als eines der bedeutendsten internationalen Steuerungszentren förderlich.
Die gesamte Studie „Die Automobilwirtschaft in Niedersachsen“ kann kostenfrei heruntergeladen werden.
Tipp: Das intelligente Auto von Morgen und die Perspektiven der vernetzten Fahrzeugwelt sind Themen beim nächsten Treffen des Innovationskreises Automobilzulieferer am 12. Juli bei der Robert Bosch GmbH in Hildesheim. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung bis 6. Juli per E-Mail innovation(at)hannover.de.
Christian Treptow, E-Mail: Treptow(at)hannover.ihk.de
30.04.2012
IHK Hannover, Schiffgraben 49, 30175 Hannover, Telefon (0511)31 07-0, Telefax (0511)31 07-333
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